Die meisten Funkübungen gehen stillschweigend davon aus, dass alle Teilnehmer Empfang haben. Für die Bergwacht ist genau das die Ausnahme. Alarmiert wird sie in der Regel dann, wenn die Einsatzstelle im unwegsamen Gelände liegt und eine direkte Anfahrt nicht möglich ist (Ausstattungskonzept Berg-Rettungsdienst Baden-Württemberg). Ab dem Fahrzeug geht es zu Fuß weiter, und ab da hängt die gesamte Führung am Funk. Eine gute Bergwacht-Funkübung bildet das ab, statt es wegzulassen.
Was Bergrettungs-Funk von anderen Lagen unterscheidet
Die Bergwacht ist eine Gemeinschaft des Deutschen Roten Kreuzes und stellt in Deutschland den weit überwiegenden Teil der Bergrettung in unwegsamem Gelände; die größten Organisationen sind die Bergwacht Bayern und die Bergwacht Schwarzwald (Wikipedia: Bergwacht (Deutschland)). Das Aufgabenfeld reicht von der Bergrettung über Höhlen- und Canyonrettung bis zum Lawineneinsatz und zur Vermisstensuche im Gebirge. Für den Funkverkehr ergeben sich daraus vier Eigenheiten, die es so in einer Feuerwehr- oder Sanitätslage nicht gibt:
| Eigenheit | Was das für den Funk bedeutet |
|---|---|
| Einsatzstelle nicht anfahrbar | Die Verbindung zur Leitstelle läuft ab dem Fahrzeug über Handfunkgeräte, nicht über das Fahrzeuggerät. |
| Weiträumige Lage statt Einsatzstelle | Einsatzlagen der Bergwacht sind meist nicht lokal, sondern erstrecken sich über weitläufiges Gelände mit entsprechender Topographie. |
| Kleine Trupps, oft einzeln | Ein Bergrettungsfahrzeug rückt mit mindestens fünf Bergrettern aus, die auch einzeln im Gelände unterwegs sein können. |
| Luftrettung als ständiger Partner | Es muss eine Kommunikation mit Luftrettungsmitteln, Luftrettern und Hundeführern der Bergrettung möglich sein, deutlich häufiger als bei anderen BOS. |
| Funkversorgung muss selbst hergestellt werden | Nicht ausgeleuchtete Täler werden über Repeater oder Gateway angebunden. Wo das Gerät steht und wie lange es durchhält, wird zur Führungsentscheidung. |
Alle vier Punkte stehen so im Ausstattungskonzept des Berg-Rettungsdienstes in Baden-Württemberg. Sie sind zugleich die vier Lernziele, um die herum sich eine Übung bauen lässt.
Das Funkbild einer Bergwacht-Lage
Bevor du Meldungen schreibst, zeichne die Funkstellen auf. Für eine typische Lage sieht das so aus:
| Funkstelle | Aufgabe | Funkt mit |
|---|---|---|
| Leitstelle | alarmiert, disponiert, nimmt Nachforderungen entgegen | Einsatzleitung, Fahrzeuge |
| Einsatzleiter vom Dienst (EvD) | taktische Führung vor Ort | alle Funkstellen |
| ELW 1 / Führungsgruppe | Lagedarstellung, Dokumentation, Funkkommunikation als mobile Einsatzzentrale | Trupps, Leitstelle, Luftrettung |
| Einsatztrupps im Gelände | suchen, erreichen, versorgen, transportieren | ELW 1 bzw. EvD |
| Hundeführer (BHF) | Suche in der Fläche, oft per Hubschrauber eingeflogen | Einsatzleitung, Luftrettung |
| Luftrettungsmittel / ARS | Zubringen, Winden, Transport | Einsatzleitung, Trupp am Patienten |
| Repeatertrupp | setzt und aktiviert den Repeater am festgelegten Punkt, holt ihn am Ende wieder ab | Einsatzleitung |
Der ELW 1 kommt bei besonderen Lagen und ab Führungsstufe C zum Einsatz und übernimmt dort Lagedarstellung, Einsatzdokumentation und Funkkommunikation. Weil sich die Einheiten regelhaft in kleine Einsatztrupps unterteilen, führt er zwei bis sechs Handfunkgeräte als Poolgeräte mit (Ausstattungskonzept, Abschnitt ELW 1). Genau diese Aufteilung in Trupps ist der Kern deiner Übung: Jeder Trupp ist eine eigene Funkstelle mit eigenem Auftrag.
Der Punkt, an dem echte Bergwacht-Übungen wehtun: die Funkversorgung
Im Digitalfunk BOS ist die Fläche außerhalb von Siedlungsgebieten regelmäßig schwächer versorgt als innerhalb. In Baden-Württemberg etwa ist die Versorgung in Siedlungsflächen als GAN 2, außerhalb als GAN 0 realisiert, weshalb eine Kommunikation mit Handfunkgeräten in unwegsamem Gelände nicht zuverlässig möglich ist (Ausstattungskonzept, Abschnitt DMO/TMO-Gateway). Die Antwort darauf ist technisch das DMO/TMO-Gateway im Fahrzeug, vergleichbar mit der 2m/4m-Aufschaltung im Analogfunk: Der Trupp funkt im Direktmodus zum Fahrzeug, das Fahrzeug setzt ins Netz um. Für größere Lagen lässt sich die Versorgung zusätzlich über Repeater verbessern (Einsatzhinweis Repeater, Digitalfunk BOS).
Damit ist der wichtigste Unterschied zu anderen BOS benannt: Für die Feuerwehr ist der Repeater ein Sonderfall im Innenangriff. Für die Bergwacht ist er Regelwerkzeug, weil ganze Täler und Kare nicht ausgeleuchtet sind. Und weil er ein Regelwerkzeug ist, gehört er in die Übung, und zwar nicht als Gerätekunde, sondern als Planungsaufgabe.
Übungsleitung, aufgepasst: Das ist die wichtigste Erkenntnis für die Übungsplanung. Wer nur „alle auf einer Rufgruppe, alle hören alles“ übt, trainiert die Bergwacht-Realität nicht. Plane bewusst ein, dass eine Funkstelle zeitweise nicht erreichbar ist und die Meldung über eine dritte Stelle laufen muss.
Repeater und Gateway: die eigentliche Planungsaufgabe
Ein Repeater nimmt empfangene Signale einer DMO-Rufgruppe auf und sendet sie unverzüglich wieder aus. Damit reden Geräte miteinander, die sich sonst nicht erreichen. Ob er nötig ist, lässt sich vorab in der Einsatzplanung ermitteln oder erst im Verlauf feststellen; eine pauschale Aussage dazu gibt es ausdrücklich nicht (Einsatzhinweis Repeater, Abschnitt 1). Genau deshalb ist es eine Führungsentscheidung: Die Verwendung und die Positionierung legt der Einsatzleiter fest oder, in Abstimmung mit ihm, der Fahrzeugführer des ELW.
Für die Bergwacht kommt hinzu, dass der günstige Standort fast immer derselbe ist: die Schulter über dem Kar, der Sattel zwischen zwei Tälern, der Punkt mit Sicht auf beide Seiten. Diese Punkte sind eine Ortskenntnis, die man einmal erarbeitet und dann dauerhaft besitzt. Und dabei ist die zweite Frage wichtiger als die erste:
| Frage | Warum sie in der Übung beantwortet werden muss |
|---|---|
| Wo genau muss der Repeater stehen? | Meist ein wiederkehrender, benennbarer Punkt. Gehört in die Einsatzplanung, nicht in die Improvisation. |
| Wie kommt er dorthin? | Zu Fuß, mit dem Quad, per Hubschrauber? Davon hängt ab, wer ihn trägt und was er sonst nicht tragen kann. |
| Wie lange dauert Aufstieg oder Anflug? | Das ist die Zeit, in der die Funkverbindung noch nicht steht. Sie muss in der Lagebeurteilung vorkommen. |
| Wie lange hält das Gerät durch? | Bestimmt, ob und wann ein Akku- oder Gerätewechsel eingeplant werden muss. |
| Wer holt ihn wieder ab? | Nach Einsatzende ist der Repeater zu deaktivieren und die Leitstelle zu informieren. |
Ein sauber geführtes Verzeichnis dieser Standorte, mit Zugangsweg und realistischer Wegzeit, ist für eine Bergwacht-Bereitschaft mindestens so wertvoll wie die Rufnamenliste. Die Übung ist der Ort, an dem dieses Verzeichnis entsteht und geprüft wird.
HRT oder MRT-Koffer: eine Entscheidung mit Folgen
Grundsätzlich können sowohl Handfunkgeräte (HRT) als auch Mobilfunkgeräte (MRT) als Repeater arbeiten; frequenzrechtlich ist der Repeater-Betrieb ausschließlich an MRT- und HRT-Endgeräten zulässig. Gegen das HRT sprechen aber drei Punkte, die der Einsatzhinweis ausdrücklich benennt (Einsatzhinweis Repeater, Einsatzgrundsatz 4):
- Eine standsichere Positionierung am erforderlichen Aufstellpunkt ist schwierig, das Gerät wird leicht übersehen und kann verloren gehen.
- Die Akku-Kapazität eines HRT ist im Vergleich zu Koffer-Lösungen nicht auf einen längeren Einsatz ausgelegt.
- Ein als Repeater abgestelltes HRT fehlt den Einsatzkräften. Man gibt also ein Funkgerät aus der Hand, das der Trupp gerade braucht.
Empfohlen werden deshalb MRT-Koffergeräte bzw. Repeater-Koffer mit externer Antenne oder ein im Fahrzeug verbautes MRT mit Außenantenne. Bei Koffern empfiehlt sich zusätzlich eine Gewinn-Antenne. Antennen sind stets so anzuordnen, dass ein möglichst freies Abstrahlen möglich ist, mit ausreichendem Abstand zu anderen Antennen (Entkopplung).
Das ist genau die Abwägung, die geübt gehört: Das HRT ist sofort da, hält aber kürzer und fehlt dem Trupp. Der Koffer hält lange und strahlt besser, muss aber erst hinaufgetragen oder geflogen werden. Welche Variante richtig ist, hängt an der erwarteten Einsatzdauer und am Zugangsweg. Lass die Übungsteilnehmer diese Entscheidung begründen und im Funkverkehr ankündigen, statt sie vorwegzunehmen.
Vier Regeln, an denen Übungen regelmäßig scheitern
- Früh aktivieren. Der Repeater lässt sich nur aktivieren, wenn die Frequenz frei ist. Wird er für nötig gehalten, sollte er möglichst in einer frühen Phase des Einsatzes aktiviert werden, nicht dann, wenn der Verkehr schon dicht ist.
- Nur ein Repeater in Reichweite. Innerhalb der DMO-Reichweite darf sich nur ein Repeater befinden. Außerhalb dürfen mehrere dieselbe Rufgruppe verwenden. Bei mehreren Repeatern an einer Einsatzstelle ist auf größtmöglichen Antennenabstand zu achten.
- Gateway und Repeater gehen nicht zusammen. Die Kombination aus Reichweitenvergrößerung und Überleitung in eine TMO-Rufgruppe ist technisch nicht möglich und kann zu Störungen führen.
- Der Ausfall wird nicht angezeigt. Die Geräte zeigen eine fehlende Verbindung im DMO- und Repeater-Betrieb für vorgehende Trupps nicht ausreichend erkennbar an. Deshalb ist durch regelmäßige Sprechfunkkommunikation sicherzustellen, dass der Empfangsbereich nicht verlassen wird.
Alle vier stehen so in den Einsatzgrundsätzen des Einsatzhinweises Repeater. Besonders die dritte Regel ist für die Bergwacht unbequem, denn sie erzwingt eine echte taktische Entscheidung: Will ich das abgeschattete Tal untereinander verbinden (Repeater) oder die Trupps an die Leitstelle anbinden (Gateway)? Beides zugleich geht mit einem Gerät nicht. Wer das in der Übung durchspielt, trifft die Entscheidung im Einsatz schneller.
Und die vierte Regel ist der Grund, warum feste Rückmeldeintervalle in der Bergrettung keine Formsache sind: Der stille Trupp merkt selbst nicht zuverlässig, dass er aus dem Empfangsbereich gelaufen ist.
Sechs Meldearten, die in der Bergrettung sitzen müssen
- Standortmeldung: Wo genau steht der Trupp? Mit eindeutigem Bezugspunkt (Wegmarkierung, Hütte, Rettungspunkt, Koordinate), nicht „oben am Hang“.
- Rückmeldung nach Erreichen des Patienten: Zustand, Zugang, benötigtes Material, benötigte weitere Kräfte.
- Nachforderung: Notarzt, Feuerwehr oder Polizei nachfordern und nachrückende Kräfte einweisen gehört ausdrücklich zu den Anforderungen an die Bergwacht-Kommunikation (Ausstattungskonzept, Abschnitt 2.1.1).
- Einweisung von Luftrettungsmitteln: Landeplatz oder Windenpunkt beschreiben, Gefahren (Leitungen, Bäume, Wind) benennen.
- Transportmeldung: Beginn, Weg, voraussichtliche Dauer bis zum Übergabepunkt.
- Periodische Lebendmeldung: feste Rückmeldeintervalle der Trupps, damit die Einsatzleitung merkt, wenn jemand ausfällt.
Gerade die letzte Meldeart wird in Übungen fast immer vergessen und ist im Gebirge die sicherheitsrelevanteste von allen. Wie ein Meldungstext sauber aufgebaut wird, steht in den BOS-Funk-Grundlagen.
Aufbau einer Bergwacht-Funkübung in 100 Minuten
Die ersten beiden Schritte lassen sich gut vorab erledigen, dann bleibt der Dienstabend selbst bei rund 75 Minuten.
Lage und Suchraum festlegen (15 Min)
Eine überschaubare Lage wählen: Vermisstensuche nach einem überfälligen Wanderer, Absturz eines Kletterers, verunfallter Mountainbiker abseits des Wegs, im Winter eine Lawinenlage mit Verschütteten. Den Raum auf einer Karte in Abschnitte teilen, damit Standortmeldungen etwas zu benennen haben.
Funkstellen und Rufnamen vergeben (10 Min)
Einsatzleitung, zwei bis drei Trupps, Hundeführer, dazu Leitstelle und Luftrettung als gespielte Gegenstellen. Echte Bergwacht-Rufnamen verwenden.
Funkversorgung planen (10 Min)
Gemeinsam festlegen: Braucht die Lage einen Repeater oder ein Gateway? Wenn ja, an welchem Punkt, wer bringt ihn hin, wie lange dauert das und wie lange hält das Gerät? Diese Entscheidung ist selbst schon Ausbildung.
Getrennte Räume, echte Distanz (5 Min)
Die Trupps sitzen in getrennten Räumen, je Raum ein Funkgerät je Rufgruppe. Wer die Möglichkeit hat, geht mit den Trupps nach draußen ins Gelände: Dann wird die Funkversorgung von selbst zum Übungsinhalt.
Lage abarbeiten (45 Min)
Vorbereitete Meldungen laufen gestaffelt über die X-Zeit ein. Die Einsatzleitung führt Lagekarte und Meldeliste und fordert Rückmeldungen aktiv an.
Auswertung (15 Min)
Waren die Standortmeldungen eindeutig genug, um den Trupp zu finden? Wurden Rückmeldeintervalle gehalten? Hat die Einsatzleitung gemerkt, dass ein Trupp still war?
Drei Übungsvarianten, die den Schwierigkeitsgrad heben
1. Der stille Trupp
Ein Trupp meldet sich für zehn Minuten nicht mehr, weil er angeblich im Funkschatten steht. Trainiert wird, ob die Einsatzleitung das bemerkt, ab wann sie reagiert und wie sie die Verbindung über einen anderen Trupp als Relaisstelle wiederherstellt.
2. Meldung über die Zwischenstelle
Ein Trupp erreicht die Einsatzleitung nur noch über einen zweiten Trupp. Alle Meldungen müssen wörtlich weitergegeben werden. Das ist die klassische Meldekette, nur mit echtem Anlass, und deckt Stille-Post-Effekte gnadenlos auf. Passende Trockenformate dazu stehen unter Funk-Diktat und Buchstabier-Spiele.
3. Repeater setzen unter Zeitdruck
Ein Trupp bekommt den Auftrag, den Repeater am festgelegten Punkt zu setzen. Er meldet Aufbruch, Zwischenstand, Erreichen des Punktes, Aktivierung und die genutzte DMO-Rufgruppe. Die Einsatzleitung führt derweil mit, ab wann sie mit der Verbindung rechnen kann. Trainiert die Wegzeitschätzung und macht schmerzhaft sichtbar, wenn ein Standort in Wahrheit 40 statt 15 Minuten entfernt liegt.
Der Hubschrauber: die Schnittstelle, die am meisten Übung braucht
Kaum eine andere Einheit arbeitet so regelmäßig direkt mit Luftrettungsmitteln wie die Bergwacht. Air Rescue Specialists sind im Einsatzfall Bestandteil der Hubschrauber-Besatzung, und auch Hundeführer werden in der Regel in der Nähe ihres Standorts vom Hubschrauber aufgenommen (Ausstattungskonzept Berg-Rettungsdienst, Abschnitt 3). Entsprechend gehört diese Schnittstelle in jede ernsthafte Bergwacht-Funkübung, und zwar nicht als Randnotiz.
Wo der Hubschrauber überhaupt mithört
Die Kommunikation zwischen Bodenkräften und Luftrettungsmitteln findet auf dem örtlichen Rettungsdienstkanal im 4-m-Band bzw. in der zugewiesenen TMO-Rufgruppe im Digitalfunk statt (vfdb-Merkblatt Zusammenarbeit Feuerwehr – Luftrettung). In den Geräten der Luftrettung liegt dafür eine Bundesprogrammierung mit rund 2.200 Rufgruppen von etwa 220 Leitstellen (DRF Luftrettung: BOS-Digitalfunk). Für die Übung ist daraus vor allem eines wichtig: Der Hubschrauber ist nicht automatisch auf eurer Rufgruppe. Wer ihn erreichen will, muss wissen, auf welcher Gruppe er liegt, und das sauber ansagen.
Funkdisziplin gegenüber der Besatzung: Crews sollen möglichst dann angefunkt werden, wenn sie ihre Empfangsbereitschaft signalisiert haben. Im Cockpit lässt sich das Display nicht jederzeit gefahrlos beobachten (DRF Luftrettung: BOS-Digitalfunk). Ein Anruf im falschen Moment ist hier keine Unhöflichkeit, sondern ein Sicherheitsthema. Genau das lässt sich in einer Übung hervorragend abbilden, indem die gespielte Besatzung schlicht nicht sofort antwortet.
Was der Pilot von euch braucht
Die Auswahl des Landeplatzes obliegt grundsätzlich dem Piloten; eine frühzeitige Absprache ist deshalb zwingend. Die Bodenkräfte melden die voraussichtliche Lage, einen möglichen bevorzugten Landeplatz und informieren über besondere Hindernisse in der Umgebung. Für die Auswahl gilt unter anderem: keine Freileitungen über dem Landeplatz, horizontaler Abstand zu Freileitungen mindestens 300 m, hohe Hindernisse wie Masten, Windräder oder Bäume in ausreichender Entfernung, lose Gegenstände beseitigt (vfdb-Merkblatt, Abschnitt Auswahl des Landeplatzes).
Daraus wird eine Meldung, die man wörtlich üben kann: Standort, vorgeschlagene Landefläche, Untergrund und Größe, Hindernisse mit Richtung und Entfernung, Wind, Zugang zum Patienten. Wer sie einmal strukturiert abgesetzt hat, sagt sie im Einsatz nicht mehr durcheinander.
Einweisen und die alpine Besonderheit
Eingewiesen wird nur, wenn es nötig ist, etwa wenn die Landefläche schwer erkennbar ist. Dann steht der Einweiser mit erhobenen, ausgestreckten Armen am Rand der Fläche, mit dem Wind im Rücken, sodass der Hubschrauber auf ihn zufliegen kann, und zeigt bei Annäherung mit beiden Armen auf den Landeplatz. Nach der Landung gilt: Annäherung erst bei stehendem Rotor oder nach Aufforderung des Piloten, immer im Blickfeld bleiben und nie von hinten annähern, weil im Bereich des Heckrotors Lebensgefahr besteht (vfdb-Merkblatt, Einweisen und Nach der Landung).
Im alpinen Gelände kommt eine Regel hinzu, die es in der Ebene nicht gibt: An den Hubschrauber wird nur von der Talseite herangegangen, und lange Gegenstände werden waagrecht getragen (Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit: 6 goldene Regeln der Hubschraubereinweisung). Am Hang steht der Rotor bergseitig deutlich näher am Boden. Ein Detail, das den Unterschied zwischen einer Bergrettungs- und einer Flachlandübung ausmacht.
Wichtig zur Einordnung: Sicheres Verhalten am Hubschrauber lässt sich nicht am Funkgerät erlernen. Die Luftrettungsorganisationen bieten dafür Einweisungen und regelmäßige Wiederholungstrainings an, und die sind durch nichts zu ersetzen. Was eine Funkübung leisten kann, ist der kommunikative Teil: die richtige Rufgruppe, der richtige Moment, die vollständige Meldung.
Drei Übungsformate für die Luftrettungs-Schnittstelle
- Landeplatzmeldung: Ein Trupp beschreibt eine Fläche so, dass die gespielte Besatzung sie akzeptieren oder begründet ablehnen kann. Die Übungsleitung gibt vorab verdeckt Hindernisse vor, die in der Meldung vorkommen müssen.
- Rufgruppenwechsel unter Last: Der Hubschrauber meldet sich an, während am Boden noch Verkehr läuft. Wer wechselt wann auf welche Gruppe, und wer bleibt für die Trupps erreichbar?
- Winden- oder Aufnahmepunkt: Statt einer Landefläche wird ein Aufnahmepunkt für Hundeführer oder ARS beschrieben, samt Zustieg und Gefahrenhinweisen.
Das reine Beschreiben von Örtlichkeiten lässt sich vorher trocken trainieren, etwa mit Beschreiben und Nachbauen oder der Lotsen-Übung.
Ein Sonderfall, der im Grenzraum regelmäßig auftritt: Der angeforderte Hubschrauber kommt aus dem Nachbarland und kann die Kräfte am Boden gar nicht direkt erreichen. Warum das so ist und wie man es übt, steht unter Grenzüberschreitend funken: Bergrettung mit Österreich und der Schweiz.
Auswertung: die Fragen, die sich für die Bergwacht lohnen
- Hätte ein ortsfremder Trupp den gemeldeten Standort allein anhand der Meldung gefunden?
- Wurden Höhenangaben, Wegmarkierungen und Rettungspunkte konsequent genutzt?
- Wie lange hat es gedauert, bis die Einsatzleitung eine fehlende Rückmeldung bemerkt hat?
- Waren Nachforderungen vollständig, also mit Grund, Ort und Zugangsweg?
- Blieb der Funkverkehr auch dann diszipliniert, als mehrere Trupps gleichzeitig etwas wollten?
- Stimmte die geschätzte Wegzeit zum Repeater-Standort mit der tatsächlichen überein, und war allen klar, ab wann die Verbindung stehen würde?
- War die Entscheidung zwischen Repeater und Gateway bewusst getroffen und begründet, oder ist sie nebenbei passiert?
- Enthielt die Landeplatzmeldung alle Hindernisse, ohne dass nachgefragt werden musste?
Wie du daraus eine Nachbesprechung machst, die nicht in Rechtfertigung kippt, steht im Beitrag Funkübung auswerten.
Meldungen erzeugen, statt sie zu schreiben
Der Aufwand einer Bergwacht-Übung steckt nicht im Aufbau, sondern im Regiebuch: Wer meldet wann was an wen, damit die Lage über 45 Minuten trägt und jeder Trupp gleichmäßig gefordert wird? In funkuebung.de erzeugst du diese Meldungen aus einem Pool oder per KI passend zur Lage, verteilst sie auf die Trupps und gibst sie als PDF oder per digitalem Zugangscode aus. Fällt kurzfristig jemand aus, rechnet ein Klick die Verteilung neu. Den kompletten Weg zeigt Wie erstelle ich eine Funkübung?, das Konzept dahinter der Beitrag Regiebuchübung.
Hinweis: Ausstattung, Rufgruppenkonzepte und Führungsstufen der Bergrettung sind landes- und trägerspezifisch geregelt. Die hier genannten Beispiele stammen überwiegend aus den Regelungen Baden-Württembergs und dienen der Orientierung für den Übungsdienst. Verbindlich sind die Vorgaben deiner Bergwacht-Organisation und deiner Leitstelle.
Quellen
- Ausstattungskonzept des Berg-Rettungsdienstes in Baden-Württemberg, Digitalfunk BOS (PDF): Einsatzmittel, DMO/TMO-Gateway, ELW 1, Funktionsträger ARS und Hundeführer
- Funkrufnamen- und OPTA-Plan der npol. BOS Baden-Württemberg (PDF): Kennwort und Kennzahlen der Bergwacht
- Einsatzhinweis Repeater, Digitalfunk BOS, Stand Dezember 2024 (PDF): Voraussetzungen und Einsatzgrundsätze des Repeater-Betriebs, HRT gegenüber MRT-Koffergerät, Kombinationsverbot Gateway/Repeater
- vfdb-Merkblatt 06/02: Zusammenarbeit Feuerwehr – Luftrettung (PDF): Kommunikation mit Luftrettungsmitteln, Auswahl und Sicherung des Landeplatzes, Einweisen
- DRF Luftrettung: BOS-Digitalfunk in der Luftrettung: Bundesprogrammierung, Rufgruppen und Empfangsbereitschaft der Besatzung
- Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit: 6 goldene Regeln der Hubschraubereinweisung: Verhalten am Hubschrauber im alpinen Gelände
- Wikipedia: Bergwacht (Deutschland): Träger, Struktur und Aufgaben der Bergwacht