Bei den meisten BOS muss man das Kennwort erst lernen: „Florian“ ist die Feuerwehr, „Heros“ das THW, „Akkon“ die Johanniter. Die Bergwacht macht es einem leichter, sie heißt am Funk schlicht „Bergwacht“. Dahinter steckt aber dieselbe Systematik wie bei allen anderen, und die Kennzahlen verraten wie üblich mehr, als man zunächst vermutet.
„Bergwacht“ ist zugleich Name und Kennwort
Die Bergwacht führt im BOS-Funk das Organisations-Kennwort „Bergwacht“. Sie gehört damit zu den Organisationen, deren Kennwort schlicht dem eigenen Namen entspricht, anders als „Florian“, „Heros“ oder „Akkon“, die man erst lernen muss.
Das Kennwort gilt für den gesamten Funkverkehr, an der Einsatzstelle genauso wie gegenüber der Leitstelle. Denn zwischen Einsatzstellenfunk und übergeordnetem Funkverkehr besteht im Digitalfunk „zwar weiterhin ein taktischer aber kein technischer Unterschied“, wie es die Landeszentralstelle BOS-Digitalfunk Schleswig-Holstein formuliert; ein Rufnamensystem muss deshalb beides abdecken (Landeszentralstelle BOS-Digitalfunk Schleswig-Holstein: Funkrufnamen).
| Organisation | Kennwort |
|---|---|
| Bergwacht | Bergwacht |
| Feuerwehr | Florian |
| Deutsches Rotes Kreuz (DRK) | Rotkreuz |
| Technisches Hilfswerk (THW) | Heros |
| Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) | Akkon |
| Malteser Hilfsdienst (MHD) | Johannes |
| Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) | Sama |
| DLRG | Pelikan |
| Rettungshundestaffeln des BRH | Antonius |
Quelle: Funkrufnamen- und OPTA-Plan Baden-Württemberg, Tabelle „Organisationskennungen“. Eine ausführliche Übersicht über alle Kennwörter bietet der Beitrag Funkrufnamen der Hilfsorganisationen. Maßgeblich ist immer die Regelung deines Bundeslandes.
Der Aufbau: Kennwort, Bereich, Kennzahl
Der Funkrufname folgt dem allgemeinen Schema der npol. BOS (Funkrufnamen- und OPTA-Plan, Abschnitt 2.1):
<Organisations-Kennwort> <Einsatz- bzw. Leitstellenbereich> <Kennzahl>
In der Praxis klingt ein Anruf damit so (Wikibooks: Bergrettung/Funkausbildung):
„Bergwacht Hintereck 13 von Bergwacht Hintereck 12, kommen.“
Also: Ziel-Rufname zuerst, eigener Rufname danach. Das ist dieselbe Regel wie in jeder anderen BOS, nachzulesen in den BOS-Funk-Grundlagen.
Die Kennzahlen am Beispiel Bayern
Die Bergwacht Bayern nutzt eine eigenständige Kennzahlen-Systematik, die sich bewusst vom Feuerwehr-Schema unterscheidet. Verbreitet und in der Praxis dokumentiert ist folgende Zuordnung (Funkmeldesystem.de: Funkrufnamen/Teilkennzahlen Bergwacht Bayern):
| Kennzahl | Bedeutung |
|---|---|
| 1 | Bereitschaftsleiter |
| 10 | Einsatzleiter |
| 11–19, 21–29 | tragbare Funkgeräte (Handfunkgeräte) |
| 20/1 | Medizinischer Verantwortlicher |
| 30/1 | Suchhundeteam |
| 40/1 | Geländefahrzeug, Mehrzweckfahrzeug |
| 50/1 | Spezialfahrzeuge (Raupe, Motorschlitten) |
| 60/1 | Kriseninterventionsteam (KIT) |
Für die Zusammenarbeit mit dem Hubschrauber gibt es zusätzlich sprechende Funktionsbezeichnungen statt Zahlen: „Einweiser“ für den Einweiser am Hubschrauber und „Retter“ für den Retter am Hubschrauber. Das ist typisch für die Bergrettung, wo die Funktion im Moment wichtiger ist als das Einsatzmittel.
Achtung, Quellenlage: Diese bayerische Zuordnung ist in Fachforen dokumentiert, aber kein amtlich veröffentlichtes Regelwerk. Verbindlich ist immer die gültige Funkrufnamenregelung deines Landes und deiner Bergwacht-Bereitschaft. Für eine Übung reicht sie als realistische Orientierung völlig aus.
Baden-Württemberg: die Bergwacht im Katastrophenschutz
Sobald die Bergrettung als Fachdienst im Katastrophenschutz auftritt, greift eine andere Ebene der Systematik. Der Bergrettungszug wird als Einheit des Fachdienstes Bergrettung geführt (Funkrufnamen- und OPTA-Plan, Tabelle 2):
| Fachdienst | Einheit | Funkrufname |
|---|---|---|
| Bergrettung | Bergrettungszug | Bergwacht <Stadt-/Landkreis> 410 |
| Wasserrettung | Wasserrettungszug | Pelikan <Stadt-/Landkreis> 310 |
| Retten mit Hunden | Rettungshundestaffel | Antonius <Stadt-/Landkreis> 510 |
| Höhlenrettung | Höhlenrettungseinheit | Kennwort des Einsatzfahrzeugs <Stadt-/Landkreis> 710 |
Die Nachbarschaft in dieser Tabelle ist kein Zufall: Bergrettung, Wasserrettung, Höhlenrettung und Rettungshunde sind die Fachdienste, die im unwegsamen Gelände und in der Fläche arbeiten. Wie eine Rettungshundestaffel dabei funkt, steht im Beitrag Rettungshunde-Funkrufnamen.
Die Bergwacht in der OPTA
Im Digitalfunk trägt jedes Gerät zusätzlich eine OPTA, die Operativ-Taktische Adresse. Für die Bergrettung sind dort eigene Kürzel und Fahrzeug-Kennzahlen vorgesehen (Funkrufnamen- und OPTA-Plan, OPTA-Kürzel und 2. TKZ):
| Element | Kürzel bzw. Kennzahl |
|---|---|
| Organisation Bergwacht | BGW |
| Bergrettungszug (KatS-Einheit) | BRZ |
| Bergrettungsfahrzeug | 2. TKZ 96 (BrgRF) |
| Geländegängiges Fahrzeug der Sommer-/Winterrettung | 2. TKZ 97 (BrgRF-gl), z. B. Quad |
| Bergrettungswache (Feststation) | 00:FEST |
| Einsatzleitwagen 1 | 11:ELW1 |
Auf Landesverbandsebene sind in Baden-Württemberg zwei Bergwacht-Organisationen mit eigenen Rufnamen geführt: „Bergwacht Württemberg“ (DRK-Bergwacht, Kürzel BGW W) und „Bergwacht Schwarzwald“ (Kürzel BGW S). Die Bergwacht Schwarzwald hat innerhalb des DRK den Sonderstatus einer eigenständigen Mitgliedsorganisation (Wikipedia: Bergwacht (Deutschland)).
Gesprochen wird der Funkrufname, nicht die OPTA
Auch bei der Bergwacht gilt die Grundregel des BOS-Funks: Im Sprechfunk meldest du dich mit dem Funkrufnamen. Die OPTA erscheint im Digitalfunk auf dem Display und hilft beim Mithören, ersetzt aber nicht die gesprochene Anmeldung. Mehr dazu unter OPTA im Digitalfunk und Funkrufnamen & taktische Rufnamen.
Ein praktischer Hinweis aus der Bergrettung: Im ehrenamtlichen Bereich wird am Funk häufig einfach der persönliche Name des gewünschten Gesprächspartners verwendet (Wikibooks: Bergrettung/Funkausbildung). Das funktioniert in der eingespielten Bereitschaft, fällt aber sofort auseinander, sobald eine Nachbarbereitschaft, die Feuerwehr oder ein Hubschrauber dazukommt. Genau deshalb lohnt es sich, in Übungen konsequent mit echten Rufnamen zu arbeiten.
Zwei praktische Punkte, die im Einsatz regelmäßig für Verwirrung sorgen: Der Rufname sagt nichts darüber aus, auf welcher Rufgruppe jemand liegt. Beides muss getrennt geplant und angesagt werden. Und die einzelnen Bergretter im Gelände führen keine eigenen taktischen Rufnamen, sondern werden über die Kennzahlen der Handfunkgeräte oder als Trupp angesprochen. Wer mit vielen Trupps arbeitet, sollte deshalb vor der Lage festlegen, wie die einzelnen Einsatztrupps gerufen werden.
Häufige Fragen
Welches Kennwort nutzt die Bergwacht?
„Bergwacht“, und zwar im gesamten Funkverkehr, an der Einsatzstelle genauso wie gegenüber der Leitstelle.
Wie ist der Rufname aufgebaut?
Kennwort + Einsatz- bzw. Leitstellenbereich + Kennzahl, zum Beispiel „Bergwacht Hintereck 13“.
Welche Kennzahl hat der Einsatzleiter?
In Bayern die 10, der Bereitschaftsleiter die 1. Landesspezifisch geregelt.
Was ist die 410?
In Baden-Württemberg der Bergrettungszug als Einheit des Fachdienstes Bergrettung: „Bergwacht <Stadt-/Landkreis> 410“.
Wie werden Kräfte am Hubschrauber gerufen?
In Bayern über sprechende Funktionsbezeichnungen: „Einweiser“ für den Einweiser, „Retter“ für den Retter am Hubschrauber.
Gelten die Kennzahlen bundesweit?
Nein. Das Kennwort ist einheitlich, die Kennzahlen legt jedes Bundesland fest. Für die Übung die eigene Landessystematik verwenden.
So nutzt du das in der Funkübung
Lege die Rufnamen deiner Bereitschaft einmal an, dann sprechen alle Teilnehmer von Anfang an einheitlich, auch die gespielte Leitstelle und das gespielte Luftrettungsmittel. In funkuebung.de hinterlegst du Rollen und Funkrufnamen und verwendest sie in jeder weiteren Übung wieder. Wie daraus eine vollständige Lage wird, steht unter Funkübung bei der Bergwacht.
Wichtig: Die gezeigten Kennzahlen sind landesspezifisch. Die 410 stammt aus dem Funkrufnamen- und OPTA-Plan Baden-Württembergs, die Kennzahlen 1/10/30 aus der Praxis der Bergwacht Bayern. In anderen Ländern und Bergwacht-Organisationen können Aufbau und Zuordnung abweichen. Verbindlich ist die Regelung deines Landes; diese Beispiele dienen der Orientierung und für Übungen.
Quellen
- Baden-Württemberg: Funkrufnamen- und OPTA-Plan der npol. BOS (PDF): Organisationskennungen, Fachdienst-Rufnamen, OPTA-Kürzel und Fahrzeug-Kennzahlen
- Ausstattungskonzept des Berg-Rettungsdienstes in Baden-Württemberg (PDF): Einsatzmittel-Typen und Funktionsträger der Bergrettung
- Funkmeldesystem.de: Funkrufnamen und Teilkennzahlen der Bergwacht Bayern: in der Praxis dokumentierte bayerische Kennzahlen
- Wikibooks: Bergrettung/Funkausbildung: Rufschema und Sprechpraxis in der Bergrettung
- Wikipedia: Bergwacht (Deutschland): Träger und Struktur, Sonderstatus der Bergwacht Schwarzwald
- Landeszentralstelle BOS-Digitalfunk Schleswig-Holstein: Funkrufnamen: im Digitalfunk nur noch taktischer, kein technischer Unterschied zwischen Einsatzstellenfunk und übergeordnetem Funkverkehr
- Wikipedia: Funkrufname: Kennwörter der BOS im Überblick