Rettungshunde

Rettungshunde-Funkrufnamen: „Antonius“ und die Staffeln der Hilfsorganisationen

Welches Kennwort eine Rettungshundestaffel führt, hängt nicht an der Aufgabe, sondern am Träger. Wie „Antonius“ einzuordnen ist, welche Kennzahl die Staffel führt und was das für eine organisationsübergreifende Suche bedeutet.

Bei Feuerwehr und THW ist die Sache einfach: ein Kennwort, eine Organisation. Bei Rettungshundestaffeln nicht. Zwei Staffeln, die im selben Wald dieselbe Arbeit machen, können völlig verschiedene Funkrufnamen führen, weil sie zu verschiedenen Trägern gehören. Wer das weiß, vermeidet die häufigste Verwechslung im Funkverkehr bei einer Vermisstensuche.

Das Kennwort hängt am Träger, nicht an der Aufgabe

Rettungshundearbeit wird in Deutschland von sehr unterschiedlichen Organisationen geleistet: von eigenständigen Rettungshundevereinen ebenso wie von den Staffeln der großen Hilfsorganisationen. Am Funk richtet sich das Kennwort nach dem Träger der Staffel:

Träger der StaffelFunkkennwort
Bundesverband Rettungshunde (BRH)Antonius
Deutsches Rotes Kreuz (DRK)Rotkreuz
Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH)Akkon
Malteser Hilfsdienst (MHD)Johannes
Arbeiter-Samariter-Bund (ASB)Sama
DLRGPelikan
Bergwacht (Hundeführer der Bergrettung)Bergwacht

Im Funkrufnamen- und OPTA-Plan der npol. BOS in Baden-Württemberg sind die „Rettungshundestaffeln des BRH“ ausdrücklich mit dem eigenen Kennwort „Antonius“ geführt, und zwar für den gesamten Funkverkehr, an der Einsatzstelle genauso wie gegenüber der Leitstelle (Funkrufnamen- und OPTA-Plan Baden-Württemberg, Tabelle 1). Der BRH ist mit rund 100 Staffeln die größte private Rettungshundeorganisation Deutschlands (Wikipedia: Bundesverband Rettungshunde).

Merksatz für die Übung: „Antonius“ ist kein Sammelbegriff für Rettungshunde, sondern das Kennwort der BRH-Staffeln. Eine DRK-Rettungshundestaffel heißt am Funk „Rotkreuz“, nicht „Antonius“. Wer das in der Übung sauber trennt, verwechselt es im Einsatz nicht.

Ein Rufname setzt eine Berechtigung voraus

Ein wichtiger Vorbehalt zu allem, was hier folgt: Ein BOS-Funkrufname ist nur dann relevant, wenn die Staffel überhaupt am BOS-Funk teilnehmen darf. Hilfsorganisationen und Katastrophenschutzorganisationen benötigen dafür ein Anerkennungsverfahren; unmittelbar berechtigt sind nur bestimmte Stellen wie Polizeien, öffentliche Feuerwehren, das THW sowie Katastrophenschutz- und Zivilschutzbehörden (Funkrichtlinie Digitalfunk BOS – Anerkennungsrichtlinie).

Eigenständig organisierte Rettungshundevereine ohne diese Anerkennung führen daher keinen BOS-Rufnamen, weil sie kein BOS-Gerät führen dürfen. Sie arbeiten stattdessen über eine Verbindungsperson und gegebenenfalls anmeldefreien Funk, fachlich auf demselben Niveau, nur auf einem anderen Weg. Wie sich das auf Funkbild und Übung auswirkt, steht unter Funkübung für Rettungshundestaffeln.

Der Aufbau des Rufnamens

Auch hier gilt das allgemeine Schema der nichtpolizeilichen BOS (Funkrufnamen- und OPTA-Plan, Abschnitt 2.1):

<Organisations-Kennwort> <Einsatz- bzw. Leitstellenbereich> <Kennzahl>

Tritt die Staffel als Einheit des Fachdienstes „Retten mit Hunden“ im Katastrophenschutz auf, ist der Rufname in Baden-Württemberg konkret festgelegt (Funkrufnamen- und OPTA-Plan, Tabelle 2):

FachdienstEinheitFunkrufname
Retten mit HundenRettungshundestaffelAntonius <Stadt-/Landkreis> 510
BergrettungBergrettungszugBergwacht <Stadt-/Landkreis> 410
WasserrettungWasserrettungszugPelikan <Stadt-/Landkreis> 310
VeterinärVeterinärzugKater <Stadt-/Landkreis> 610

Rettungshunde in der OPTA

Für die Fahrzeuge der Rettungshundearbeit sind eigene Kennzahlen vorgesehen. Sie stehen im Block „Kreisauskunftsbüro, Rettungshunde und sonstige Dienste“ (Funkrufnamen- und OPTA-Plan, 2. TKZ):

2. TKZFahrzeugOPTA
75Geländegängiges KleinfahrzeugATV
76KraftradKrad
77RettungshundefahrzeugRHuF
78Gerätewagen VeterinärdienstGW-VetL / GW-VetO

Zusätzlich kennt der Plan den Mannschaftstransportwagen mit organisationsspezifischer Zusatzbeladung: Ein MTW mit Beladung Rettungshunde wird in der OPTA als MTWRH geführt, analog zum MTW Strömungsrettung (MTWStR). Was die OPTA grundsätzlich ist und wie ihre Stellen aufgebaut sind, erklärt der Beitrag OPTA im Digitalfunk.

Woher „Antonius“ kommt

Die Kennwörter der BOS sind fast immer sprechend gewählt: „Florian“ ist der Schutzpatron der Feuerwehr, „Johannes“ verweist auf den Johanniterorden, „Pelikan“ auf das Wappentier der DLRG. Bei „Antonius“ liegt der Bezug ähnlich nah: Antonius von Padua gilt traditionell als Patron der verlorenen und wiedergefundenen Dinge, was für eine Vermisstensuche ein passendes Bild abgibt. Eine Übersicht über alle Kennwörter der BOS gibt der Beitrag Funkrufnamen der Hilfsorganisationen (vgl. Wikipedia: Funkrufname).

Der Hundeführer als eigenes Einsatzmittel

Eine Besonderheit, die im Rufnamenkonzept oft untergeht: Ein Hundeführer ist nicht zwingend an ein Fahrzeug gebunden. In der Bergrettung ist der Bergwacht-Hundeführer (BHF) ausdrücklich ein fahrzeugunabhängiges Einsatzmittel, führt seine komplette Ausrüstung permanent mit sich und wird bei Alarmierung in der Regel in der Nähe seines Standorts vom Hubschrauber aufgenommen (Ausstattungskonzept Berg-Rettungsdienst, Abschnitt 3.3). Für die Funkplanung heißt das: Diese Kräfte brauchen einen eigenen Rufnamen und eine eigene Funkausstattung, auch wenn kein Fahrzeug dazugehört.

Was das für eine gemeinsame Suche bedeutet

Bei einer größeren Vermisstensuche arbeiten regelmäßig mehrere Staffeln verschiedener Träger zusammen, dazu Feuerwehr, Polizei und gegebenenfalls Bergwacht oder Wasserrettung. Am Funk treffen dann „Antonius“, „Rotkreuz“, „Akkon“, „Florian“ und „Bergwacht“ in derselben Rufgruppe aufeinander. Drei Dinge sind dabei erfahrungsgemäß entscheidend:

  • Rufnamenliste vorab verteilen: Wer nicht weiß, dass „Antonius Musterkreis 510“ eine Hundestaffel ist, ordnet die Meldung nicht ein.
  • Einheitliche Bezeichnung der Suchgebiete: Die Parzellennummern müssen für alle Staffeln dieselben sein, sonst wird doppelt oder gar nicht gesucht.
  • Eine führende Funkstelle je Fachdienst: Nicht jedes Suchteam funkt direkt zur Einsatzleitung, sondern über seine Staffelführung.

Wie sich so eine gemeinsame Lage üben lässt, steht im Beitrag Organisationsübergreifend funken und, für die Suche selbst, unter Funkübung für Rettungshundestaffeln.

Gesprochen wird der Funkrufname, nicht die OPTA

Wie bei allen BOS meldest du dich im Sprechfunk mit dem Funkrufnamen. Die OPTA erscheint im Digitalfunk auf dem Display, ersetzt aber die gesprochene Anmeldung nicht. Mehr dazu unter Funkrufnamen & taktische Rufnamen.

Häufige Fragen

Welches Kennwort hat eine Rettungshundestaffel?

Das des Trägers: „Antonius“ bei den Staffeln des BRH, „Rotkreuz“ beim DRK, „Akkon“ bei den Johannitern, „Johannes“ bei den Maltesern, „Sama“ beim ASB.

Was bedeutet die 510?

In Baden-Württemberg die Kennzahl der Rettungshundestaffel als Einheit des Fachdienstes „Retten mit Hunden“: „Antonius <Stadt-/Landkreis> 510“.

Welche Kennzahl hat ein Rettungshundefahrzeug?

Die 2. Teilkennzahl 77, in der OPTA als RHuF. Ein MTW mit Zusatzbeladung Rettungshunde wird als MTWRH geführt.

Wie funken Hundeführer der Bergwacht?

Unter dem Kennwort „Bergwacht“. Sie sind fahrzeugunabhängige Einsatzmittel und werden häufig per Hubschrauber an die Einsatzstelle gebracht.

Gelten die Kennzahlen bundesweit?

Nein, die Kennzahlen legt jedes Bundesland fest. Für die Übung die eigene Landessystematik verwenden.

Wichtig: Die gezeigten Kennzahlen stammen aus dem Funkrufnamen- und OPTA-Plan Baden-Württembergs und sind landesspezifisch. In anderen Bundesländern können Aufbau und Zuordnung abweichen; auch die Zuordnung einer Staffel zu einem Fachdienst ist nicht überall gleich geregelt. Verbindlich ist die Regelung deines Landes und deines Trägers. Diese Beispiele dienen der Orientierung und für Übungen.

Quellen

Weiterlesen

Rufnamen der Staffel einmal anlegen

Hinterlege Staffelführung, Suchteams und Hundeführer mit ihren Rufnamen und übe sie in jeder weiteren Funkübung wieder.

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