Grundlagen

Funkrufnamen der Hilfsorganisationen: Florian, Rotkreuz, Heros & Co.

Welches Kennwort gehört zu welcher Organisation, wie ein taktischer Funkrufname aufgebaut ist und worauf du achtest, wenn Feuerwehr, THW, DRK und die anderen BOS gemeinsam funken. Die komplette Übersicht zum Nachschlagen und Üben.

Sobald mehrere Organisationen an einer Lage arbeiten, hängt der saubere Funkverkehr an einer simplen Frage: Wer ruft hier eigentlich? Jede BOS hat dafür ihr eigenes Kennwort, das jedem Funkrufnamen vorangestellt wird. Wer die Kennwörter kennt, ordnet jeden Sprecher sofort der richtigen Organisation zu, im Einsatz wie in der Funkübung.

Das Kennwort sagt, wer funkt

Ein taktischer Funkrufname im BOS-Funk folgt einem dreigliedrigen Muster (Wikipedia: Funkrufname):

Kennwort der Organisation + Ortskennung (Bereich der Einsatzzentrale) + taktische Kennzahl

Das Kennwort steht immer zuerst und verrät die Organisation. Es ist über die Länder hinweg weitgehend gebräuchlich, auch wenn die genaue Systematik der Kennzahlen dahinter Sache der Länder und Organisationen ist. Für eine Übung, in der Feuerwehr, THW und Hilfsorganisationen zusammenwirken, ist das Kennwort der wichtigste Orientierungspunkt.

Die Kennwörter im Überblick

Im Digitalfunk (TETRA) führt jede Organisation genau ein Kennwort. Die folgende Tabelle fasst die Kennwörter der nichtpolizeilichen BOS zusammen. Grundlage sind die Richtlinie für Funkrufnamen npol BOS Bayern und der Funkrufnamenkatalog des Landes Hessen, die die Kennwörter ausdrücklich für den Digitalfunk festlegen, sowie die Übersicht bei Wikipedia.

OrganisationKennwort
FeuerwehrFlorian
Deutsches Rotes Kreuz (DRK)Rotkreuz
Technisches Hilfswerk (THW)Heros
Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH)Akkon
Malteser Hilfsdienst (MHD)Johannes
Arbeiter-Samariter-Bund (ASB)Sama
DLRGPelikan
RettungshubschrauberChristoph
BergwachtBergwacht
WasserwachtWasserwacht
KatastrophenschutzbehördeKater (in Hessen: KATS)

Und die alten Handfunk-Kennwörter? Im analogen BOS-Funk gab es früher getrennte Bänder: das 4-m-Band für Fahrzeuge und ortsfeste Stellen, das 2-m-Band für Handfunkgeräte, teils mit eigenen Kennwörtern (etwa „Äskulap“ statt „Rotkreuz“ oder „Hermine“ statt „Heros“). Mit dem Umstieg auf den Digitalfunk sind diese getrennten Kennwörter entfallen; heute gilt je Organisation ein Kennwort (Richtlinie npol BOS Bayern). Auf älteren Listen begegnen sie dir noch, im aktuellen Funkverkehr nicht mehr.

Eine kleine Eselsbrücke: Viele Kennwörter haben einen historischen Bezug. „Florian“ ist der Schutzpatron der Feuerwehr, „Akkon“ und „Johannes“ verweisen auf die Ursprünge der Johanniter und Malteser, „Sama“ steht für die Samariter (ASB).

So setzt sich ein Funkrufname zusammen

Hinter dem Kennwort folgen die Ortskennung und eine taktische Kennzahl, die Standort, Fahrzeugtyp oder Funktion verschlüsselt. Zwei Beispiele aus den verbindlichen Regelungen zeigen das Prinzip:

  • DRK: „Rotkreuz Duisburg 02/83/01“ ist ein Rettungswagen (Kennzahl 83) im Funkbereich Duisburg. Die sechsstellige Kennzahl steht für Standort, Fahrzeugtyp und eine Unterscheidungsziffer (DRK-LV Nordrhein).
  • THW: „Heros Schweinfurt 21/91“ bezeichnet eine Führungskraft im Zugtrupp. Bei den THW-Rufnamen beschreiben die ersten beiden Ziffern die Einheit, die letzten beiden das Fahrzeug oder die Funktion (THWiki: Funkrufname).

Die genaue Logik der Kennzahlen unterscheidet sich von Organisation zu Organisation. Wie sie beim THW und beim DRK im Detail funktioniert, steht in den vertiefenden Beiträgen THW-Funkrufnamen (Heros) und DRK-Funkrufnamen (Rotkreuz).

So unterscheiden sich die Bundesländer

Das Kennwort ist bundesweit gleich, und auch der grobe Aufbau ähnelt sich stark: Auf das Kennwort folgen der Einsatzbereich (Stadt oder Kreis) und eine Kennzahl aus Standort, Fahrzeug bzw. Funktion und einer laufenden Nummer. So liest sich ein DRK-Rettungswagen in Nordrhein-Westfalen:

„Rotkreuz Duisburg 02/83/01“
Rotkreuz (DRK) · Duisburg (Einsatzbereich) · 02 (Standort) · 83 (Rettungswagen) · 01 (erstes Fahrzeug)

Der Unterschied zwischen den Ländern steckt also weniger im Aufbau als in den konkreten Zahlen: Welche Kennzahl welches Fahrzeug oder welche Funktion bekommt, legt jedes Bundesland selbst fest. Beim DRK heißt das zum Beispiel:

Beim DRK ist …in Nordrhein-Westfalenin Baden-Württemberg
der Rettungswagen (RTW)8383
der Leitende Notarzt (LNA)074
der Organisatorische Leiter (OrgL)083

Der RTW trägt zufällig in beiden Ländern die 83 — der Organisatorische Leiter aber in Nordrhein-Westfalen die 08 und in Baden-Württemberg die 3. Dieselbe Funktion, eine andere Zahl (DRK-LV Nordrhein; Funkrufnamen- und OPTA-Plan Baden-Württemberg, Stand 2023).

Bayern ist der einzige echte Ausreißer beim Aufbau: Dort steht bei den Hilfsorganisationen vor der Fahrzeugziffer noch eine Ziffer für den Fachdienst (etwa 4 = Sanitätsdienst, 6 = Betreuung); bei Feuerwehr und Rettungsdienst entfällt sie. Ein echter Rufname aus der Richtlinie: „Florian Rosenheim 30/1“ — die Drehleiter (Fahrzeuggruppe 30) der Feuerwehr Rosenheim, erstes Fahrzeug (Richtlinie npol BOS Bayern). Selbst das Katastrophenschutz-Kennwort ist nicht überall gleich: in Hessen „KATS“, in Bayern „Kater“ (Funkrufnamenkatalog Hessen). Mehr Details im Beitrag DRK-Funkrufnamen (Rotkreuz).

Die Ausnahme ist das THW: Es hat einen eigenen, bundesweit einheitlichen Funkrufnamenkatalog und ist deshalb nicht Teil der Landesregelungen (THW: Funk-Rufnamen-Regelung). „Heros“ funktioniert also überall gleich, „Rotkreuz“ je nach Land unterschiedlich.

Gesprochen wird der Funkrufname, nicht die OPTA

Im Digitalfunk trägt jedes Gerät zusätzlich eine OPTA (Operativ-Taktische Adresse), die auf dem Display erscheint. Sie wird im Sprechfunk aber nicht gesprochen: Gefunkt wird immer der taktische Funkrufname. Die OPTA liest du höchstens vom Display ab, um zu sehen, wer sich meldet. Mehr dazu in den Beiträgen Funkrufnamen & taktische Rufnamen und OPTA im Digitalfunk.

Hinweis: Kennwörter und Kennzahlen-Systematik werden je Bundesland und Organisation festgelegt und gelegentlich angepasst. Diese Übersicht dient der Orientierung und für Übungen. Verbindlich sind die Vorgaben deiner Organisation und die jeweilige Landesregelung, etwa die bayerische Richtlinie für Funkrufnamen und OPTA oder die Regelung des DRK-LV Nordrhein.

Was das für deine Funkübung bedeutet

  • Kennwörter vorher festlegen: Wer mit mehreren Organisationen übt, legt die Funkrufnamen samt Kennwort vorab fest und nutzt sie einheitlich.
  • Eindeutig bleiben: Innerhalb einer Rufgruppe sollten sich die Rufnamen klar unterscheiden, gerade wenn mehrere Organisationen mitfunken.
  • Realistisch, aber als Übung gekennzeichnet: Echte Rufnamen erhöhen den Realitätsgrad, im Zweifel aber klar als Übung kenntlich machen.

In funkuebung.de legst du Rollen und Funkrufnamen einmal an und verwendest sie in jeder Übung wieder, organisationsübergreifend in einer Lage. Wie das konkret aussieht, zeigt die Anleitung Wie erstelle ich eine Funkübung?.

Häufige Fragen

Welches Kennwort nutzt welche Hilfsorganisation?

Im Digitalfunk je Organisation ein Kennwort: Feuerwehr „Florian“, DRK „Rotkreuz“, THW „Heros“, Johanniter „Akkon“, Malteser „Johannes“, ASB „Sama“, DLRG „Pelikan“.

Wie ist ein taktischer Funkrufname aufgebaut?

Kennwort der Organisation + Ortskennung + taktische Kennzahl, zum Beispiel „Rotkreuz Duisburg 02/83/01“ für einen DRK-Rettungswagen im Bereich Duisburg.

Sind die Funkrufnamen bundesweit einheitlich?

Das Kennwort ist bundesweit gebräuchlich, die Kennzahlen-Systematik legen Länder und Organisationen selbst fest. Verbindlich ist die Regelung deines Landes und deiner Organisation.

Funkt man die OPTA?

Nein. Gesprochen wird der Funkrufname. Die OPTA erscheint nur auf dem Display und wird nicht ausgesprochen.

Quellen & Richtlinien

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Mit echten Funkrufnamen üben

Leg Funkrufnamen für Feuerwehr, THW, DRK und alle weiteren BOS einmal an und nutze sie in jeder Übung wieder, auch organisationsübergreifend.

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