DRK & Sanitätsdienst

DRK-Funkrufnamen: „Rotkreuz“ verständlich erklärt

Wie sich ein DRK-Funkrufname aus Kennwort, Bereich und Kennzahl zusammensetzt, was die einzelnen Ziffern bedeuten und wie du RTW, ELW, OrgL und LNA sauber ansprichst. Mit echten Beispielen aus der verbindlichen Regelung.

Beim DRK beginnt jeder Funkrufname mit „Rotkreuz“, dahinter steckt aber mehr System, als viele vermuten: eine sechsstellige Kennzahl, aus der sich Standort, Fahrzeugtyp und Funktion ablesen lassen. Wer das einmal durchschaut hat, hört am Rufnamen sofort, ob da ein RTW, ein Einsatzleitwagen oder der Organisatorische Leiter funkt.

„Rotkreuz“ ist das Kennwort des DRK

Das Deutsche Rote Kreuz nutzt im Digitalfunk bundesweit das Kennwort „Rotkreuz“ (Wikipedia: Funkrufname). Wie der gesamte Funkrufname aufgebaut ist, regeln die Landesverbände. Dieser Beitrag erklärt die Systematik am Beispiel der Funkrufnamenregelung des DRK-Landesverbands Nordrhein, die den Aufbau besonders klar dokumentiert.

Der Aufbau: Kennwort, Bereich, Kennzahl

Ein DRK-Funkrufname setzt sich aus drei Teilen zusammen (DRK-LV Nordrhein, Abschnitt I):

Kennwort + Bereich der Einsatzzentrale + Kennzahl (sechsstellig)

Der Bereich der Einsatzzentrale ist in der Regel der Name der Stadt oder des Kreises, etwa „Duisburg“ oder „Viersen“. Die Kennzahl besteht aus drei zweistelligen Teilkennzahlen (TKZ):

TeilBedeutungBeispiel
1. TKZGemeinde bzw. Standort/Wache02 = Wache 02
2. TKZFahrzeugtyp oder Führungsfunktion83 = RTW
3. TKZUnterscheidungsziffer (mehrere gleiche Fahrzeuge)01 = erstes Fahrzeug

Zusammengesetzt ergibt das zum Beispiel den Rufnamen eines Rettungswagens:

„Rotkreuz Duisburg 02/83/01“

Also: DRK (Rotkreuz), Bereich Duisburg, Standort 02, Fahrzeugtyp RTW (83), erstes Fahrzeug dieser Art (01). Quelle: DRK-LV Nordrhein.

Was die zweite Teilkennzahl verschlüsselt

Die 2. TKZ ist der spannendste Teil: Sie verrät Fahrzeug oder Funktion. Ein Auszug aus der Nordrhein-Regelung (Anlage 2/3):

2. TKZBedeutung
01Kreisbereitschaftsleitung
07Leitender Notarzt (LNA)
08Organisatorischer Leiter Rettungsdienst (OrgL)
11Einsatzleitwagen ELW 1
19Mannschaftstransportfahrzeug MTF
81 / 82 / 83NAW / NEF / RTW
85Krankentransportwagen KTW

So wird aus dem abstrakten Rufnamen eine sprechende Information: „Rotkreuz Musterstadt 00/08/01“ ist der Organisatorische Leiter, „… 00/07/01“ der Leitende Notarzt.

Drei kleine Profi-Regeln

  • Einsatzzentrale ohne Kennzahl: Die ortsfeste Leitstelle führt nur Kennwort und Bereich, etwa „Rotkreuz Rhein-Sieg“ (DRK-LV Nordrhein).
  • Führungsfunktionen mit „00“ vorn: Bei Leitungs- und Führungsfunktionen ist die 1. TKZ die „00“, weil sie nicht an einen einzelnen Standort gebunden sind.
  • Nullen werden nicht mitgesprochen: In der verbalen Kommunikation wird die „0“ in der 1. und 3. TKZ nicht gesprochen. Aus „02/83/01“ wird gesprochen also „2/83/1“.

Weitere echte Beispiele

EinheitFunkrufname
Einsatzzentrale Rhein-Sieg-KreisRotkreuz Rhein-Sieg
3. MTF der Gemeinde Willich (Kreis Viersen)Rotkreuz Viersen 09/19/03
Feste Landfunkstelle Hilden (Kreis Mettmann)Rotkreuz Mettmann 04/00/01
RTW Wache 02 (KV Duisburg)Rotkreuz Duisburg 02/83/01

Alle Beispiele: Funkrufnamenregelung DRK-LV Nordrhein.

Andere Bundesländer: dieselbe Idee, andere Nummern

Das Kennwort „Rotkreuz“ ist bundesweit gleich, die Kennzahlen-Systematik aber nicht. Sie wird je Bundesland für Feuerschutz und Rettungsdienst festgelegt, die Hilfsorganisationen folgen dieser Landesregelung. Wer also den Rufnamen in Nordrhein-Westfalen liest, darf ihn nicht ungeprüft auf Bayern übertragen. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich allein dieselben Funktionen nummeriert sind:

Hinweis zur Quelle: In Nordrhein-Westfalen gibt es zwei DRK-Landesverbände (Nordrhein und Westfalen-Lippe). Die hier gezeigten NRW-Zahlen stammen aus der Regelung des DRK-Landesverbands Nordrhein und folgen der vom Land Nordrhein-Westfalen festgelegten Systematik.

LandAufbauOrgLLNARTW
Nordrhein-Westfalen (NRW)Bereich + 6-stellige Kennzahl (3 Teilkennzahlen)2. TKZ 082. TKZ 072. TKZ 83
Baden-WürttembergEinsatzbereich + Kennzahlen, 2. Kennzahl = taktischer Wert2. Kennzahl 32. Kennzahl 42. Kennzahl 83
BayernEinsatzbereich + 1. Teilkennzahl (Fachdienst) + 2. + 3. TeilkennzahlFachdienst-Systematik (z. B. 4 = Sanitätsdienst), Fahrzeugart in der 2. Teilkennzahl

Schon hier sieht man: Der Organisatorische Leiter ist in Nordrhein-Westfalen die 08, in Baden-Württemberg dagegen die 3, der Leitende Notarzt die 07 bzw. 4 (DRK-LV Nordrhein; Funkrufnamen- und OPTA-Plan Baden-Württemberg). Der Rettungswagen trägt zwar in beiden Ländern die 83, Baden-Württemberg unterscheidet aber zusätzlich den „RTW der Bereitschaften“ (Kennzahl 23) vom Rettungsdienst-RTW (83).

Bayern: Fachdienst zuerst

Bayern baut die Kennzahl anders auf: Die erste Teilkennzahl steht für den Fachdienst (1 Führung, 2 IuK, 3 Technik und Sicherheit, 4 Sanitätsdienst, 6 Betreuung, 7 Landrettung …), die zweite für die Fahrzeugart, die dritte für die laufende Nummer. Ein Feuerwehrbeispiel aus der Richtlinie: „Florian Rosenheim 30/1“ (erste Drehleiter) (Richtlinie für Funkrufnamen npol BOS Bayern).

Hessen: Kennwort, Ort, Standort- und Fahrzeugkennzahl

Hessen regelt im Funkrufnamenkatalog des Landes Hessen den Aufbau aus Kennwort, Ortsbezeichnung, Standortkennzahl, einer Kennzahl für die Einsatzfahrzeuge und gegebenenfalls einer weiteren Untergliederung. Auch das Katastrophenschutz-Kennwort weicht ab: In Hessen lautet es „KATS“, in Bayern und anderswo „Kater“.

Faustregel: Das Kennwort kannst du bundesweit übernehmen, die Kennzahlen nicht. Für eine realistische Übung nimm die Systematik deines Bundeslandes. Die maßgeblichen Regelwerke findest du unten unter „Landesregelungen“.

Gesprochen wird der Funkrufname, nicht die OPTA

Wie bei allen BOS gilt: Im Sprechfunk nennst du den Funkrufnamen, nie die OPTA, die im Digitalfunk auf dem Display erscheint. Sie hilft beim Mithören, ersetzt aber nicht die Anmeldung mit dem gesprochenen Rufnamen. Mehr dazu unter OPTA im Digitalfunk.

Wichtig: Die hier gezeigten Kennzahlen stammen aus der Regelung des DRK-Landesverbands Nordrhein und sind landesspezifisch. In anderen Bundesländern und Landesverbänden können Aufbau und Zuordnung abweichen. Verbindlich ist immer die Funkrufnamenregelung deines Landesverbands. Diese Beispiele dienen der Orientierung und für Übungen.

So nutzt du das in der Funkübung

Lege die Rufnamen deines Kreisverbands einmal an, dann sprechen alle Teilnehmer von Anfang an einheitlich. In funkuebung.de hinterlegst du Rollen und Funkrufnamen und verwendest sie in jeder Übung wieder. Wie du daraus eine vollständige Übung baust, steht in der Anleitung Wie erstelle ich eine Funkübung?. Eine Lage, in der die Rufnamen besonders gefordert sind, ist der Massenanfall von Verletzten (MANV).

Häufige Fragen

Welches Kennwort nutzt das DRK?

Im Digitalfunk bundesweit „Rotkreuz“. Jeder DRK-Funkrufname beginnt mit diesem Kennwort.

Was bedeutet die sechsstellige Kennzahl?

Drei zweistellige Teilkennzahlen: Standort/Gemeinde, Fahrzeugtyp oder Funktion, Unterscheidungsziffer. Beispiel „02/83/01“ = Standort 02, RTW (83), erstes Fahrzeug.

Welche Kennzahl haben LNA und OrgL?

In Nordrhein-Westfalen 07 für den Leitenden Notarzt und 08 für den Organisatorischen Leiter Rettungsdienst, in Baden-Württemberg dagegen 4 (LNA) und 3 (OrgL RD). Landesspezifisch geregelt.

Gelten die Kennzahlen bundesweit?

Nein. Das Kennwort „Rotkreuz“ ist bundesweit gleich, die Kennzahlen legt jedes Bundesland fest. Für eine Übung nimmst du die Systematik deines Landes.

Spricht man die Nullen mit?

In Nordrhein-Westfalen wird die „0“ in der 1. und 3. Teilkennzahl verbal nicht mitgesprochen. Auch das ist eine landesspezifische Sprechregel.

Quellen & Landesregelungen

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Rotkreuz-Rufnamen einmal anlegen

Hinterlege die Funkrufnamen deines Kreisverbands und übe sie in jeder Funkübung wieder, vom RTW bis zum OrgL.

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