Die Runde zerfällt
Nach zwanzig Minuten ist aus der Übung ein Gespräch geworden. Weil niemand vorbereitet hatte, wer wann was meldet.
Das DARC-Notfunkreferat lädt die Ortsverbände ein zu üben. Nur: Wie eine Übung aufgebaut wird, die wirklich etwas bringt, steht selten irgendwo. funkuebung.de bringt die erprobte Methodik der BOS-Ausbildung mit, übersetzt für den Amateurfunk.
Wer Notfunk ernst nimmt, merkt schnell: Die Verbindung ist selten das Problem. Es sind die Abläufe drumherum, die im Ernstfall den Unterschied machen.
Nach zwanzig Minuten ist aus der Übung ein Gespräch geworden. Weil niemand vorbereitet hatte, wer wann was meldet.
Drei Stationen reden, fünf hören zu. Wer nichts zu sagen hat, übt auch nichts, und beim nächsten Mal kommt er nicht wieder.
Die Übung endet, alle gehen nach Hause, und in vier Wochen ist die Erkenntnis weg. Beim nächsten Termin fängt man bei null an.
In Feuerwehr und Katastrophenschutz ist die Funkübung seit Jahrzehnten ein festes Format. Der Kern davon lässt sich eins zu eins übernehmen.
Rufzeichen, taktische Bezeichnung, Standort und Rolle. Einmal eingetragen, in jeder weiteren Übung wiederverwendbar.
Jede Meldung mit Zeitpunkt, Absender und Empfänger. Aus dem Pool, selbst geschrieben oder per KI erzeugt.
Die Meldungen werden automatisch auf alle Stationen aufgeteilt, damit jeder gleich viel Sendezeit bekommt.
Als PDF-Regiebuch für die Netzkontrolle oder digital per Zugangscode. Hinterher anhand des Protokolls nachbesprechen.
Der Punkt, der bei gemeinsamen Übungen mit BOS regelmäßig übersehen wird: § 5 Absatz 5 AFuG verbietet die Übermittlung von Nachrichten, die nicht den Amateurfunkdienst betreffen, für und an Dritte. Die Ausnahme gilt ausdrücklich nur in Not- und Katastrophenfällen (AFuG 1997, § 5). Eine geplante Übung ist kein solcher Fall.
Deshalb setzt der Ratgeber hier konsequent auf Übungsinhalte, die aus der Übung selbst entstehen und damit vom Zweck des Amateurfunkdienstes gedeckt sind, nämlich der Erprobung der Technik und der eigenen Weiterbildung (AFuG 1997, § 2): Verbindungs- und Feldstärkeberichte, Betriebsdaten der Stationen, Standort- und Aufbaumeldungen, Buchstabier- und Zahlenübungen.
Nebenbei ausgeräumt: Die oft zitierte Pflicht, Notfunkübungen sieben Werktage vorher anzuzeigen, stammt aus dem österreichischen Telekommunikationsgesetz. Das deutsche Amateurfunkrecht kennt keine solche Anmeldepflicht. Die Abstimmung mit Distrikt und Notfunkreferat bleibt trotzdem sinnvoll (DARC: Referat für Not- und Katastrophenfunk).
Kostenlos und ohne Anmeldung lesbar. Jeweils in der Sprache derer, die ihn brauchen.
Der Leitfaden für den Ortsverband: Übungsziel, Stationen und Rollen, netzunabhängige Stromversorgung, Betriebsart und Rückfallebene, Meldungen, Zeitplan und Auswertung. Mit Checkliste zum Abhaken.
AmateurfunkÜbersetzungstabelle von Rufzeichen zu Funkrufname, Band zu Rufgruppe, Simplex zu DMO. Dazu die zwei Kulturunterschiede, die am meisten Missverständnisse auslösen.
NotfunkübungRegiebuch, fester Meldeaufbau und Netzkontrollstation auf den Amateurfunk übertragen, mit sauber formulierten Übungsmeldungen und Ablaufplan.
ZusammenarbeitBedarfsträger-Vereinbarungen, realistische Rollen und die unterschätzte Technikfrage: DMR als Arbeitsebene, 2 m analog als Rückfallebene.
AmateurfunkZum Weitergeben an die Feuerwehr oder den Katastrophenschutz vor Ort: Rufzeichen, Klassen N, E und A, warum es keine Leitstelle gibt und was Notfunk rechtlich ist.
Taschenkarte · PDFNATO-Alphabet, deutsche Tafel mit Vornamen und DIN 5009:2022 nebeneinander. Praktisch, wenn ihr mit einer BOS-Einheit gemeinsam übt und euch auf eine Tafel einigen müsst.
funkuebung.de wird von Henrik Schulz entwickelt, Hauptbrandmeister und seit 2014 als S6 für Information und Kommunikation im Katastrophenschutz-Führungsstab des Kreises Pinneberg zuständig, seit 2018 Leiter dieses Sachgebiets. Die Methodik hinter dem Werkzeug stammt aus genau der Ausbildungspraxis, in der Funkübungen mit den DARC-Ortsverbänden Uetersen (M21), Elmshorn (M27), Welcome Point (E10) und Pinneberg (E15) sowie der NDR BSG Amateurfunk seit Jahren geplant und ausgewertet werden.
Der Amateurfunk-Bereich dieses Ratgebers ist bewusst mit Respekt vor den Unterschieden geschrieben: Die BOS-Betriebskultur ist nicht die bessere, sie ist die für den Einsatz passende. Was sich übertragen lässt, steht hier. Was nicht, ist ausdrücklich benannt, einschließlich der Grenzen, die das Amateurfunkgesetz zieht.
Stationen anlegen, Meldungen vorplanen, Regiebuch ausgeben. Kostenlos und ohne Zahlungsdaten.