Die meisten Funkfehler sind keine Frage der Technik, sondern der Genauigkeit: eine falsch verstandene Hausnummer, ein verschluckter Buchstabe, eine Zahl, die als etwas anderes ankommt. Die folgenden vier Formate trainieren gezielt das saubere Übermitteln von Namen, Zahlen und Texten, getrennt vom Stress einer Einsatzlage.
Inhalt
Alle vier Formate laufen nach derselben Grundregel: Die Funkstellen sitzen in getrennten Räumen, pro Raum und Rufgruppe mit einem Funkgerät. Es wird mit Funkrufnamen und den Sprechregeln aus den BOS-Funk-Grundlagen gearbeitet.
Funk-Diktat
Lernziel: einen Text fehlerfrei übermitteln und mitschreiben. Eine Stelle diktiert, die andere schreibt mit und liest am Ende zur Kontrolle zurück.
- Material: vorbereitete Texte, etwa Adressen mit Straße und Hausnummer, eine kurze Materialliste oder eine Personalienangabe. Papier und Stift für die empfangende Seite.
- Ablauf: Die sendende Stelle diktiert in sinnvollen Häppchen, schwierige Wörter werden buchstabiert. Die empfangende Stelle schreibt mit, fragt zurück und liest die fertige Meldung zur Bestätigung zurück.
- Varianten: Tempo erhöhen, mehrere Adressen am Stück, oder bewusst ähnlich klingende Namen einbauen.
- Auswerten: Mitschrift gegen Original halten. Wo wich es ab, und hätte ein Rücklesen den Fehler gefangen?
Buchstabier-Duell
Lernziel: sicher mit der Buchstabiertafel umgehen. Eine Stelle bekommt schwierige Eigennamen, Straßen oder Kennzeichen und übermittelt sie mit der Buchstabiertafel. Die Gegenstelle schreibt mit und liest zur Kontrolle zurück.
- Material: eine Liste kniffliger Begriffe, zum Beispiel Straßennamen mit Doppelbuchstaben, ausländische Namen, Fachbegriffe oder Kfz-Kennzeichen.
- Ablauf: Reihum bekommt jeder einen Begriff, den er über die Buchstabiertafel an die Gegenstelle übermittelt. Punkt, wenn die Gegenstelle ihn korrekt notiert hat.
- Varianten: auf Zeit buchstabieren, oder zusätzlich Satzzeichen und Zahlen einbauen.
- Auswerten: Wo gab es Verwechslungen, etwa bei ähnlichen Ansagewörtern? Wer musste raten, statt nachzufragen?
Im BOS-Funk wird vielerorts weiterhin die deutsche Buchstabiertafel mit Vornamen genutzt, also Ansagewörter wie Anton, Berta, Cäsar, Dora und Emil. Die 2022 veröffentlichte DIN 5009 mit Städtenamen (Aachen, Berlin, …) ist für Feuerwehren ausdrücklich freiwillig und deshalb nicht automatisch der lokale Übungsstandard, wie der Deutsche Feuerwehrverband festhält. Übe also mit der Tafel, die bei dir tatsächlich im Funkbetrieb gilt.
Zahlen- und Mengenmeldungen
Lernziel: Zahlen, Mengen und Maße eindeutig übermitteln, wo sich besonders leicht Fehler einschleichen.
- Material: kurze Meldungen mit vielen Zahlen, etwa eine Materialanforderung, eine Patientenzahl oder Koordinaten.
- Ablauf: Die sendende Stelle übermittelt Zahlen einzeln und deutlich, die empfangende Stelle wiederholt sie zur Bestätigung. Einheiten und Mengen werden ausgesprochen, nicht abgekürzt.
- Varianten: große Zahlen, Nachkommastellen oder mehrere Positionen in einer Anforderung kombinieren.
- Auswerten: Welche Zahl kam falsch an? Half das Wiederholen, oder ging es zu schnell?
Meldekette über Funkstellen
Lernziel: eine Meldung wörtlich und vollständig weiterreichen. Dieses Format ist die Funk-Variante der „Stillen Post“, nur dass es hier nicht ums Verfälschen geht, sondern ums fehlerfreie Weitergeben über mehrere Stationen, wie bei einer weitergereichten Lagemeldung im Einsatz.
- Meldung vorbereiten. Die Übungsleitung schreibt eine kurze Meldung mit ein paar Stolpersteinen: einem schwierigen Namen, einer Hausnummer, einer Uhrzeit oder Menge.
- Zwischenstationen aufstellen. Mehrere Funkstellen werden in getrennten Räumen besetzt, je eine Person pro Station, sodass die Meldung von Station zu Station weitergegeben werden muss.
- Wörtlich weitergeben. Jede Station gibt exakt das weiter, was sie empfangen hat, fragt im Zweifel zurück und lässt sich Zahlen und Namen buchstabieren, statt zu raten.
- Endmeldung vergleichen. Die letzte Station liest die empfangene Meldung vor. Der Abgleich mit dem Original zeigt, wo und warum sich Fehler eingeschlichen haben.
Aha-Effekt: Vergleicht man die Endmeldung mit dem Original, wird sofort sichtbar, was passiert, wenn nicht zurückgefragt und nicht zurückgelesen wird. Genau das ist der Grund, warum diese beiden Gewohnheiten im Funk so wichtig sind.
Auswertung
Für alle vier Formate lohnen sich dieselben Leitfragen in der Nachbesprechung:
- Wo genau ist der Fehler entstanden, beim Senden, beim Hören oder beim Mitschreiben?
- Wurde konsequent zurückgefragt und zurückgelesen, oder wurde geraten?
- War das Tempo angemessen, oder zu schnell für eine saubere Mitschrift?
- Welche Wörter oder Zahlen waren besonders fehleranfällig, und wie übermittelt man sie besser?
Wie du daraus eine strukturierte Nachbesprechung machst, steht in Funkübung auswerten. Schwierige Namen und Zahlen lassen sich übrigens gezielt in eine Regiebuchübung einbauen, um genau diese Genauigkeit auch in der Lage zu trainieren.