Die klassische Funkübung stellt eine Einsatzlage nach. Eine kreative Funkübung dreht den Spieß um: Sie gibt den Teilnehmern eine reine Kommunikationsaufgabe, die sich nur über Funk lösen lässt. Eine Gruppe weiß etwas, die andere nicht, und allein der saubere Funkspruch schließt die Lücke. Das trainiert genau die Grundfertigkeiten, die später jede Lagemeldung tragen.
Inhalt
Das Prinzip hinter kreativen Funkübungen
Jede gute Funkübung lebt von einem Informationsgefälle: Der Sender hat etwas, das der Empfänger braucht und nicht sehen kann. Im Einsatz ist das die Lage vor Ort. In einer kreativen Übung ist es eine Figur, ein Weg oder ein Text. Das Schöne daran: Es braucht kein Fachwissen und keine erfundene Katastrophe. Trotzdem stehen alle vor derselben Aufgabe wie am Einsatzort, nämlich ein Bild im Kopf des anderen zu erzeugen, ohne dass dieser es sieht.
Weil die Aufgabe nur über Funk lösbar ist, kann niemand an der Funkaufgabe vorbeiarbeiten. Wer ungenau beschreibt, merkt es sofort am falschen Ergebnis. Wer nicht zuhört, verliert den Faden. Geübt werden dabei dieselben Tugenden wie im BOS-Funk: kurz und eindeutig sprechen, strukturiert melden, zurückfragen und bestätigen. Auch hier gilt: im Funkverkehr den Funkrufnamen verwenden und die Sprechregeln einhalten, „kommen“, „verstanden“, „Ende“. Das gehört zum Spiel dazu, nicht nur zum Ernstfall.
Kreative Übungen sind die ideale Ergänzung zu den operativen Übungsszenarien. Sie eignen sich für den Einstieg, für einen aufgelockerten Dienstabend und als Aufwärmung vor einer anspruchsvollen Regiebuchübung.
Drei Familien von Übungsformaten
Die kreativen Formate lassen sich in drei Familien sortieren. Jede schult einen eigenen Schwerpunkt, und zu jeder gibt es eine ausführliche Anleitung mit Aufbau, Ablauf, Schwierigkeitsstufen und Auswertung.
| Familie | Worum es geht | Anleitung |
|---|---|---|
| Beschreiben und Rekonstruieren | Eine Gruppe sieht eine Figur, ein Muster oder eine Skizze, die andere baut sie allein nach dem Funkspruch nach. Trainiert eindeutiges, anschauliches Beschreiben. | Beschreiben und Nachbauen → |
| Lotsen und Orientierung | Eine Gruppe kennt einen Weg und führt die andere per Funk ans Ziel, über Richtungen, Schrittzahlen und markante Punkte. Trainiert strukturierte Wegführung. | Lotsen-Übung → |
| Genauigkeit und Buchstabieren | Diktate, Buchstabier-Duelle, Zahlen- und Mengenmeldungen und die Meldekette über mehrere Funkstellen. Trainiert wörtliche Weitergabe und die Buchstabiertafel. | Funk-Diktat und Buchstabieren → |
Einsatznahe Funkübungen
Die folgenden vier Formate stehen zwischen dem reinen Kommunikationsspiel und der vollen Einsatzlage. Sie kommen ohne aufwendiges Szenario aus, üben aber genau die Funkfertigkeiten, auf die es im Einsatz ankommt. Jedes hat ein unmittelbares Vorbild im echten Funkverkehr.
1. Lage melden nach Schema
Eine Stelle bekommt ein Foto, eine Skizze oder eine kurze Lagebeschreibung und meldet sie nicht frei heraus, sondern entlang eines festen Schemas: wo, was ist passiert, was ist betroffen, was wird gebraucht. Die Gegenstelle schreibt nach demselben Schema mit und liest zur Kontrolle zurück. Wer das Schema einhält, vergisst nichts und bleibt auch unter Druck verständlich.
Analogie zum Einsatz: Genau so läuft die echte Lagemeldung an die Leitstelle. Ein festes Meldeschema sorgt dafür, dass die Einsatzleitung sofort die richtigen Schlüsse zieht, statt sich die Lage aus einem Wortschwall zusammenzusuchen. Es ist die geordnete Form des „Bildes im Kopf“, das auch das Beschreiben und Nachbauen trainiert.
2. Funkskizze für alle: die Lage mitzeichnen
Aus einem getrennten Raum spielt die Übungsleitung eine vorbereitete Folge von Funkmeldungen ein: Statuswechsel, Standorte und kurze Lagemeldungen mehrerer Einheiten. Alle Teilnehmer hören denselben Funkverkehr und führen jeder für sich eine Kräfteübersicht oder eine Lageskizze: wer ist wo, wer macht was, was ist offen. Niemand verlässt sich auf den Nachbarn, jeder zeichnet selbst mit.
Am Ende werden alle Übersichten nebeneinandergelegt und verglichen, auch mit dem Original der Übungsleitung. Wo alle dieselbe Stelle falsch haben, lag es an einer unklaren Meldung, wo nur einzelne abweichen, am Zuhören oder Mitschreiben. In einer zweiten Runde tauscht ihr die Rollen und eine Gruppe spielt die Meldungen selbst ein, sodass auch das Senden geübt wird.
Analogie zum Einsatz: Die Lagekarte der Führung entsteht allein aus dem Funk und ist immer nur so gut wie die Meldungen, die sie speisen, und die Disziplin derer, die mitschreiben. Diese Übung macht beides auf einen Schlag sichtbar. Denselben Überblick über erledigte und offene Meldungen liefert dir in einer geplanten Übung das Live-Cockpit der Übungsleitung.
3. Lageübergabe: die Ablösung sauber informieren
Eine Gruppe hat eine laufende Lage vor sich und übergibt sie per Funk vollständig an die ablösende Gruppe: was bisher geschah, wie der aktuelle Stand ist, welche Aufgaben offen sind. Die ablösende Gruppe fragt gezielt nach und fasst die Lage am Ende in eigenen Worten zusammen. Erst wenn diese Zusammenfassung stimmt, ist die Übergabe abgeschlossen.
Analogie zum Einsatz: Bei langen Einsätzen wechselt die Mannschaft, die Lage aber bleibt. Eine vollständige Übergabe per Funk verhindert, dass Wissen verloren geht und Maßnahmen doppelt oder gar nicht laufen, wie bei jeder Führungs- oder Wachübergabe.
4. Wo stehe ich? Den eigenen Standort melden
Eine Stelle steht an einem Punkt im Gelände oder Gebäude und muss ihren eigenen Standort so melden, dass die Gegenstelle ihn auf einer Karte findet oder gezielt erreicht, über Himmelsrichtung, Entfernung, markante Punkte oder Koordinaten. Die Gegenstelle markiert den vermuteten Ort und gleicht ab, ob sie richtig liegt.
Analogie zum Einsatz: Den eigenen Standort eindeutig zu melden, ist im unübersichtlichen Gelände entscheidend, beim Finden des Bereitstellungsraums, bei der Flächensuche oder wenn ein Trupp Unterstützung anfordert. Anders als bei der Lotsen-Übung führst du hier niemanden Schritt für Schritt, sondern musst dich in einem Satz so verorten, dass dich der andere findet.
Weitere Ideen für den Übungsdienst
Neben den drei großen Familien gibt es viele kleine Formate, die sich schnell aufbauen lassen und gut als Auflockerung funktionieren. Alle laufen nach derselben Logik: getrennte Funkstellen, eine klare Aufgabe, anschließend ein kurzer Abgleich.
- Schiffe versenken über Funk: zwei Gruppen spielen den Klassiker auf je eigenem Plan. Jeder Schuss wird als Koordinate gefunkt, jede Rückmeldung sauber bestätigt. Trainiert die eindeutige Übermittlung von Buchstaben-Zahlen-Kombinationen.
- Funk-Bingo für Funkdisziplin: die Übungsleitung baut bewusst typische Fehler ein: Doppeldrücken, fehlender Rufname, Reden ohne „kommen“. Die Teilnehmer haken auf einem Bingo-Bogen ab, welchen Fehler sie hören. Schärft das Ohr für saubere Verkehrsabwicklung.
- Wer bin ich? Eine Stelle denkt sich einen Begriff aus, die andere rät über klar strukturierte Ja-/Nein-Fragen, jede sauber mit „kommen“ abgeschlossen. Lockerer Einstieg in die Frage-Antwort-Disziplin.
- Anleitung über Funk: eine Gruppe führt eine einfache Handlung aus, etwa ein Stück Papier falten oder Kabel stecken, ausschließlich nach den gefunkten Schritten der anderen. Trainiert Anweisungen in der richtigen Reihenfolge und das Bestätigen jedes Schritts.
- Kim-Spiel über Funk: eine Stelle beschreibt mehrere Gegenstände auf einem Tablett, die andere notiert und gibt sie später aus dem Gedächtnis wieder. Verbindet genaues Beobachten mit genauem Beschreiben.
Worauf du beim Aufbau achtest
Egal welches Format, ein paar Dinge gelten für jede Funkübung und entscheiden über den Lernwert:
- Getrennte Räume. Die Gruppen sitzen immer in verschiedenen Räumen, pro Raum und Rufgruppe mit einem Funkgerät. Sonst gibt es schnell Rückkopplungen oder Echo, und man hört sich ohnehin direkt, statt den Funk zu nutzen. Die Raumtrennung ist zugleich der Sichtschutz, ein zusätzlicher Sichtschutz auf dem Tisch ist meist überflüssig.
- Sprechregeln gelten auch im Spiel. Funkrufname, „kommen“, „verstanden“, „Ende“. Wer die Funkdisziplin im Spiel schleifen lässt, baut sie für den Einsatz nicht verlässlich auf.
- Jeder kommt dran. Plane Rollenwechsel ein, damit nicht nur die Geübten sprechen und die anderen zuhören.
- Auswerten nicht vergessen. Der Lerneffekt steckt in der Nachbesprechung: Wo entstanden Missverständnisse, welche Formulierung half, wo hätte eine Rückfrage gespart? Wie du das moderierst, steht in Funkübung auswerten.
Von der Idee zur fertigen Übung
Ein kreatives Format und eine klassische Lage schließen sich nicht aus. Du kannst eine kurze Beschreibübung als Aufwärmung voranstellen und dann in ein vorgeplantes Regiebuch übergehen. Wie du aus Lernziel, Szenario und Meldungen eine vollständige Übung baust und als PDF oder per Zugangscode verteilst, zeigt die Anleitung Wie erstelle ich eine Funkübung?.
Tipp: Notiere dir nach jedem Übungstermin, welches Format wie gut ankam und wo es hakte. So baust du dir nach und nach eine kleine Sammlung erprobter Funkübungen für jeden Anlass auf.
Häufige Fragen
Was sind kreative Funkübungen?
Kreative Funkübungen sind Übungsformate, die nicht eine Einsatzlage nachstellen, sondern eine reine Kommunikationsaufgabe über Funk lösen lassen, zum Beispiel eine Figur beschreiben und nachbauen oder einen Weg lotsen. Eine Gruppe hat eine Information, die andere nicht, und nur der Sprechfunk verbindet beide. Das schult präzises Sprechen, aktives Zuhören und saubere Verkehrsabwicklung.
Sind solche Funkspiele für die Sprechfunkausbildung sinnvoll?
Ja. Weil die Aufgabe nur über Funk lösbar ist, kann niemand sie am Funk vorbei lösen oder einfach raten. Jeder muss eindeutig formulieren, zuhören, zurückfragen und bestätigen. Genau diese Grundfertigkeiten tragen später in jede Lagemeldung. Kreative Übungen ergänzen die klassischen Einsatzszenarien, sie ersetzen sie nicht.
Welche kreative Funkübung eignet sich für Einsteiger?
Für den Einstieg eignet sich das Beschreiben und Nachbauen einer einfachen Figur aus Klemmbausteinen oder ein Funk-Diktat mit Adressen und Namen. Beide brauchen kein Fachwissen, sondern nur klare Sprache, und der Erfolg ist sofort sichtbar oder vergleichbar.
Wie viele Teilnehmer brauche ich für eine kreative Funkübung?
Die meisten Formate funktionieren ab zwei getrennten Funkstellen, also bei kleinen Gruppen schon ab vier bis sechs Personen. Wie bei jeder Funkübung sitzen die Gruppen in getrennten Räumen, pro Raum und Rufgruppe mit einem Funkgerät.